Weinbau in Oppershofen

oder

Warum versucht ein „vernünftiger“ Mann gerade im Dorf der Mäusköpp, den Weinbau wieder zum Leben zu erwecken?

 

Anfang der 80`ziger kam ich zum ersten Mal nach Oppershofen.

Abends wurde auf dem Wingertsberg ein Lagerfeuer gemacht. Zu meinem Erstaunen war jedoch, im Gegensatz zu meiner Heimat, weit und breit kein Wingert zu sehen.  

 Jahre später kam ich des Öfteren wieder nach Oppershofen.

Ich erfuhr durch eine Broschüre des örtlichen Kultur- und Geschichtsvereins etwas über die vergangene Weinbautradition des Ortes.

Nach meiner Entscheidung, den Wohnsitz von Frankfurt, meiner zwischenzeitlichen Heimat, nach Oppershofen zu verlegen, gab ich aus persönlichen Gründen den Weinbau in Siefersheim auf.   

Des Öfteren stand ich auf dem Wingertsberg und genoss den Blick nach Süden sowie nach Westen über die Wetterau.

   

 

Da ich ein Grundstück kaufen konnte, das sich in leicht südlicher Hanglage auf dem Wingertsberg befindet, entschloss ich mich, genau dort einen „Wingert“ anzupflanzen.  

Um auch rechtlich abgesichert zu sein, beschäftigte ich mich einige Zeit mit dem deutschen Weingesetz (so was gibt’s) und den dazugehörigen Europäischen Verordnungen.

Schon bei der Rodung und den Vorbereitungsarbeiten war das Interesse der „Besucher“ sehr groß. Vielleicht dachten oder denken die meisten, dass ich wohl einen Knall habe.

Am interessantesten waren die Unterhaltungen über die noch vorhandenen Kräuter auf dem Wingertsberg, die eigentlich nur in Weinbergen vorkommen. Dazu kann Herr Theo Lang einiges berichten.

Im April 2004 war es dann so weit, ich konnte endlich auf 100m² meine resistenten Reben pflanzen. Wie bei den Presseberichten zu erkennen, war auch Martin Groß dabei. Er brachte mit einem Artikel in der regionalen Presse den „Stein“ der Öffentlichkeitsarbeit ins Rollen.

   

Mein eigentlicher Wunsch, meinen Kindern Valentin und Constantin das in meiner Heimat über den Weinbau erlernte auf ihrem Lebensweg mitzugeben, stieß auf eine solche öffentliche Resonanz, dass ich über einen gesellschaftlichen Rahmen nachzudenken begann.

Bei einer privaten Feier lernte ich kurz den „Präsidenten“ eines regional ansässigen Weinvereins kennen. Da er mich scheinbar als einen Konkurrenten ansieht, (warum?) und auch in einer öffentlichen Veranstaltung kein gutes Haar an meinem Hobby ließ, entschloss ich mich, keinen Antrag auf Mitgliedschaft in seinem Verein zu stellen, sondern mit Freunden und Weinbauinteressierten einen eigenen Verein zu gründen.

Da ich es nicht so gut finde, in einem Verein tätig zu sein, der von jedem Mitglied gewisse Pflichterfüllungen fordert, dazu auch noch einen hohen Jahresbeitrag einzieht, wurde mit den Gründungsmitgliedern eine Satzung verabschiedet, die nur eine Verpflichtung enthält:

 Wer eigenen Wein anbaut, muss eine kostenlose Probe an die Mitglieder abgeben!

Da auch einige Mitglieder aus weiter entfernten Gemeinden kommen, wählten wir einen Namen der nicht auf Oppershofen begrenzt ist.

Besonders gelungen finde ich das Logo, das von Michael Bell entworfen wurde und den Internetauftritt, der von Alex Stuke mit sehr viel Zeitaufwand und „Liebe“ entworfen und verwirklicht wurde.

  Die „zwölf Apostel“ gründeten im August 2005 den inzwischen in Oppershofen als „Weuvereu“ bezeichneten Verein.  

 Inzwischen kam ein Grundstücksbesitzer auf mich zu und fragte, ob ich nicht an einem Grundstück Interesse hätte, das verwildert sei. Da es sich ergab, dass die Nachbargrundstücke auch benutzt werden konnten, sagte ich zu und begann mit einer Rodung, die mehrere Wochen und viel Hilfe in Anspruch nahm.

Am 1. Mai 2006 konnten einige Mitglieder und auch Nicht-Mitglieder des Vereins weitere resistente Reben pflanzen.

 

  

    

 

Die zweite Weinlese im Oktober 2006 wurde wieder ein voller Erfolg. Das Wetter spielte mit, die Trauben ergaben beim Keltern einen sehr guten Saft und die teilweise von weit her angereisten „Erntehelfer“ erhielten einen kleinen Einblick in die Tradition der Traubenernte mit der Hand.

   

     

     

Ein Mitglied des Vorstandes, Peter Jüngel – der Vize; ließ es sich nicht nehmen, seinen ersten eigenen Saft aus verschieden Hausreben zu keltern und diesen dann im Glasballon auszubauen.

   

Ich durfte den Wein schon testen, die anderen Mitglieder spätestens bei der nächsten Versammlung, und ich finde, er schmeckt „ tres fruité “, (liebe Grüße an unsere französischen Freunde).  

Noch ein Wort zum Namen des ersten Weines ´Roter Mäuskopp`. Entgegen dem Pressebericht bezieht sich das Wort „roter“ nicht auf das Rote Haus in Rockenberg (der Verfasser stammt aus Rockenberg, vielleicht war der Wunsch der Vater der Gedanken) sondern auf die rote Farbe des Weines.

Mäuskopp soll einen Bezug zu meiner Wahlheimat und dem Standort der Reben herstellen.

Danke an alle neuen und alten Mitglieder, (die Anzahl hat sich   verdoppelt), für die Hilfe und das Interesse am „Weuvereu“. Besonders danke ich meiner Frau Annette, für die Geduld mit dem „vernünftigen“ Mann aus Rheinhessen.

 

 

PS: Die nächsten größeren und kleineren Projekte sind bereits in Planung oder auch in Arbeit, dazu aber bei Gelegenheit mehr.

Johannes Löffel

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